Geisselchlepfen - Trychlergruppe Dietikon

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Geisselchlepfen

Das Geisselchlepfen in der Schweiz


Die Geissel als Lärminstrument im Volksbrauch
Es kann durchaus sein, dass die Spiele, die den Hirten auf der Alp zur Unterhaltung dienten, nach dem Alpsommer auch im Tal geübt wurden. Im solothurnischen Kriegstetten findet am Samstag vor dem 2. August Sonntag bereits das Kilbiklepfen satt. Nach der Eröffnung der Kirchweih durch die Dorfmusik klepfen Männer und Buben mit Schafgeisseln, die im Besitze der Gemeinde aufbewahrt werden. Früher war dieses Peitschenkonzert auch an der Kilbi in Oekingen Brauch. Auch im Solothurner Jura, vor allem im Balsthal, ist das Geisselklepfen bekannt. Es wurde an den Abenden des 5. Dezembers von den Dorfbuben gepflegt und erreicht am 6. Dezember den Höhepunkt, wenn die dreizehn Kläuse mit dem Schmutzli in der Herrengasse empfangen werden.

Leidenschaftlich klepfen auch die Lenzburger. St. Niklaus soll sich vor Jahren in Lenzburg besonders wohltätig erwiesen haben. Das liess die Bevölkerung übermütig werden. Buben streuten dem Alten Erbsen auf die Berstrasse und brachten ihn so zu Fall. Im Städtchen verspotteten sie, selber als Nikoläuse verkleidet, den ehrbaren St. Nikolaus. Da sollen in Lenzburg alle Scheiben gesprungen sein. Übers Jahr habe man vergeblich auf den Samichlaus gewartet. So beschlossen die Buben, den St. Nikolaus mit Lärm und Knallen zu wecken. Sie knallten mit dicken Peitschen und der Knall hallte wieder, aber kein Klaus zeigte sich. Und seither rufen die Buben von Lenzburg den St. Nikolaus alljährlich mit Geisselknallen. Vor vierzig Jahren habe man in Lenzburg bereits Ende Oktober so intensiv geklepft , dass der Gemeinderat ein abgelegenes Uebungsgelände zur Verfügung gestellt und das Klepfen vor der Nikolauseinzeit bei Busse oder Gefängnisstrafe verboten habe.

Heute wird das Klausklepfen in Lenzburg als gepflegter, in Kursen aufrechterhaltener Brauch geübt. Auch in der Umgebung von Lenzburg, in den Gemeinden Niederlenz, Staufen, Möriken, Wildegg und im Seetal, in Seon und in Hallwil wird zur Nikolauszeit noch immer mit der Schaub geklepft. Ebenso wie in Lenzburg, wo eine lange Seilertradition herrscht, kümmern sich Burschen und Erwachsene auch im Seetal um den Geisselunterricht und organisieren das Klauswettchlöpfe.

Besonders eindrücklich wird am 5. Dezember in Kriens geklepft. Nach dem farbenprächtigen Einzug von dt. Nikolaus stellen sich je vier Buben zur Erprobung ihrer Meisterschaft auf. Alle ziehen die Geissel mit beiden Händen auf die rechte Seite und lassen sie waagrecht einer nach dem anderen nach links schwirren. Die Väter der Galli-Zunft beobachten das Spiel und beurteilen es. In Horw, Adligenswil und Luzern ist das Geisselklepfen zur Klauszeit mehr als Nachahmung des Krienser Brauches Mode geworden. Eine angestammte Überlieferung aber hat Küssnacht am Rigi anzubieten.
Am 4. und 5. Dezember abends ziehen die Klausjäger in den verdunkelten Ort ein. An die fünfhundert Iffelen, mächtige, in geometrischen Mustern durchgestanzte und mit farbigem Papier hinterlegte und erleuchtete Bischofsmitren scheinen wie Irrlichter zu tänzeln, denn man übersieht die Träger des Lichtzaubers. Hinter ihnen folgt der St. Nikolaus und der Schnutzli, dann die Geisselklepfer und schliesslich Heerscharen von Einschellern. Früher war das Klepfen am Klausmarkt auch in Zug üblich.
Ebenso kündet sich der Klausenzug in Oberägeri beim Klauseseln mit Geisselknall vor den Häusern an. In den Kantonen Baselland ist das Geisselklepfen im „Nünichlingele“ am Heiligen Abend noch immer bekannt.

Vereinzelt knallen die Geisseln auch am Silvester. Am Richterswilerberg und Bäretswil als Begleitmusik zum Umzug der Räbenlichter. Im Zusammenhang mit Heischebräuchen hört man Geisselknallen auch in Gränischen und im Kanton Thurgau. Am Vorabend des Dreikönigstages kennt man das Geisselklepfen im Jura. Der Dreikönigstag aber ist der Festtag der Schwyzer Klepfer.

(Quelle 25 Jahre Jubiläums-Festschrift der Priis-Chlepfer von Schwyz)


 
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