Geisseltypen - Trychlergruppe Dietikon

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Geisseltypen

Die Geisseltypen


Der kurzen Furhmannsgeissel und der langen Schafgeissel gemeinsam ist die Schlinge. Die Schlinge eines Schaubs verjüngt sich von 45 mm Dicke oben und am Stecken zu 5 mm unten beim Zwick. Sie ist bis 5000 mm lang. Die Schlinge einer Fuhrmannsgeissel verjungt sich von 28 mm Dicke oben an der Schlaufe zu 3 mm unten am Zwick. Sie ist meistens 1200 mm lang. Die Schlinge einer Schafgeissel ist also lang wie die Schlinge der Fuhrmannsgeissel. Zwischen die Schlinge und den Zwick wurde vom Klepfer selbst die Vorsatz oder Vorschlinge als Reservezwick geknüpft.

Die Geissel war den römischen Wagenlenker auch in der Schweiz bekannt. Zahlreich finden sich auch Darstellungen von geisselbewaffneten Fuhrleuten aus dem 15. und 16. Jahrhundert. Der Postillon brauchte nicht nur das Posthorn, sondern auch die Geissel als Signalinstrument, wie es sogar das musikalische Zeugnis, „Der letzte Postillon vom Gotthard“, nach einem Gedicht von A. Lang, bezeug. Auch der Alphirt hätte den Sommer nie ohne sein Szepter, die Geissel, erleben mögen. Die Geissel des Wagenlenkers, Viehtreibers und –hüters dienste vor allem zum Lenken der Tiere. Nur in seltenen Fällen wurden diese mit Geisselhieben geschlagen. Wahrscheinlich wirkte der Geisselknall wie ein Signal, das die Tiere kannten. Auch die Kühe auf der Alp wurden früher mit einem Knall zum Melken geweckt. Mit Geisselknallen weckte auch der Nachtwächter von Andermatt jahrelang die Frühaufsteher. Ursprünglich war die Geissel ein Zürchtigungsinstrument. Die Evangelisten bereichten bei der Marterung Christi auch von der Geisselung. (Joh. 13,1 Math. 27,26). Zahlreiche Darstellungen erinnern an die Leiden Christi, Ein Glasfenster aus der Kirche Münchenbuchsee um 1300 stellt die für das Marterinstrument typische Dreiteilung der Geisselschlinge dar. In die Stränge waren oft Knochen oder Metallstücke gebunden.
An die dreiendige Martergeissel erinnert die Geissel, die eine „Pleureses“ in Romont jeweils am Karfreitag auf einem Kissen zur Schau trägt. Als Nachahmung der Reiterpeitsche gibt die Geissel im Kinderspiel, wie sie besonders im letzten Jahrhundert verbreitet war. Steckenpferdreiter waren mit einer kleinen Geissel ausgerüstet. Besonders aus dem letzten Jahrhundert sind viele Bildzeugnisse von Knaben mit Geisseln bekannt.

Die Kindergeissel war nicht nur als Reitpeitsche bekannt, sonder sie brachte ein geliebtes Kinderspielzeug, den Kreisel, zum Drehen. Auch heute noch ist die Geissel weit verbreitet. Der Stecken ist bei der Schafgeissel oft einem Besenstiel zurechtgeschnitten oder er stammt vom letzten Christbäumchen oder von einer Haselstaude. Nach dem Schälen muss man diese Stöcke allerdings ein halbes Jahr lang trocknen lassen. Früher hängten die Buben im Kanton Aargau den Geisselstecken in den Kamin oder legten ihn in die Jauchegrube, um das Holz zu härten und zäh zu machen. Nur noch im Wallis wird die Alpgeissel zum Beruhigen der Kühe geschüttelt. Häufig brennen die Walliser Hirten ihren Namen und nach dem Alpsommer die Jahreszahl ein. Dieser Klirrstock wird als seltenes Werkzeug der Viehhirten noch immer gebraucht, aber er zählt nicht zu der Familie der Aerophone (Luftklinger) wie die knallenden Geisseln, sondern zu den Idiophonen ( Eigenklingern ).

(Quelle 25 Jahre Jubiläums-Festschrift der Priis-Chlepfer von Schwyz)


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