Trychlergruppe Dietikon

Direkt zum Seiteninhalt


Herzlich Willkommen


Auch Städter können es knallen lassen:
Wie vier junge Dietiker in Schwyz die «Geissle chlöpfen» liessen

von Christian Tschümperlin — az Limmattaler Zeitung

Wollten es den Schwyzern zeigen: vorne (v.l.) Silvan (15) und Fabian (14), hinten Sandro (9) und Raul (12).
© Christian Tschümperlin

Vier junge Dietiker Geisslechlöpfer können es mit den Schwyzern aufnehmen. Zu ihrer eigenen Überraschung erzielten sie am «Priis-Chlepfä» gute Resultate, obwohl sie während der Vorbereitung von den Nachbarn aus
dem Quartier vertrieben wurden.
  
Seit 1968 schon findet jeweils am Dreikönigstag das Priis-Chlepfä auf dem Hauptplatz von Schwyz statt. Vor der Kulisse von Rathaus, Kirche, verschneiter Berggipfel und der über dem Platz thronenden Mythen streiten dabei Geisslechlöpfer aus Schwyz, Illgau, Arth, Küssnacht und dem Muotathal um die Gunst von Jury und Publikum. Wer gewinnt, gilt als Schweizer Meister. Zum ersten Mal mit dabei in diesem Jahr waren vier junge Dietiker der Trychlergruppe, die es den «Stehchrägelern» – das ist eine neckisch gemeinte Bezeichnung für hochnäsige Schwyzer – einmal so richtig zeigen wollten. Ihre Botschaft: Auch Städter können Geisslechlöpfe!

Raul (12), Sandro (9), Silvan (15) und Fabian (14) hatten erst im letzten Oktober mit dem Geisslechlöpfe, also Geisselknallen, begonnen und starteten im Januar in der Kategorie Schüler. Fabian sagt: «Wenn du dort oben auf dem Podest stehst, zittern deine Knie vor Aufregung.» Eine besondere Herausforderung hatte Silvan zu bewältigen. Seine Geissel war kurz vor dem grossen Auftritt zerbrochen. Zwar konnte er noch eine Ersatzgeissel auftreiben. Trotzdem blieb der Wettkampf schwierig: «Man kann sich nicht in zwei Minuten umgewöhnen», sagt er.


«Chrüzlistreich» kann nicht jeder kann nicht jeder

Doch Geisslechlöpfe ist auch generell eine Kunst für sich, entsprechend achtet die Jury auf jedes Detail. Bewertet werden Haltung, Fertigkeit, Klang und die Einhaltung des Pflichtprogrammes. Am Wettkampf vom 6. Januar dreht sich jeweils alles um den Chrüzli-streich. Dabei beschreibt der Geisslechlöpfer über seinem Kopf eine Acht. Das schnelle Hin und Her der Schlinge veranlasst den am Ende befestigten Zwick, im Moment seiner grössten Ausdehnung einen Überschall-Knall zu produzieren. Durch das rasche Aufeinander der Knalle und das hallende Echo auf dem Dorfplatz versinken die einzelnen Chlepfs in einem monotonen Brummen.

Sein Onkel habe zu ihm gesagt, das sei ja ganz einfach, erzählt Raul. Da habe er ihm die Geissel gegeben. «Er hat sie sich dreimal um den Kopf gewickelt», sagt Raul. So etwas ist den vier Knaben während ihrer Vorstellung zum Glück nicht passiert. «Wir hatten den besten Lehrer, Werni Fässler, er ist Schweizer Meister», sagt Raul. Den Kontakt hatte Pius Baggenstos, Präsident der Dietiker Trychler, am eidgenössichen Trychlerfest in Märstetten geknüpft.

Von den Nachbarn aus dem Quartier vertrieben

Das Treffen entpuppte sich als grosse Chance. Denn Fässler bereitete die vier Nachwuchstalente gründlich vor. Nachdem diese beim Üben von ihren Nachbarn aus dem Quartier vertrieben worden waren und ihnen ein freundlicher Bauer aus Berikon seine Scheune als Trainingsgelände anerbot, richtete ihnen «Werni» eine Whatsapp-Gruppe ein, erzählt Sandro. Sie begannen, sich gegenseitig zu filmen und die Videos hochzuladen. Der Schweizer Meister coachte sie von da an im Gruppenchat.

Zudem fuhren die Knaben einmal pro Woche nach Arth, wo sie unter Fässlers Führung und zusammen mit den Innerschwyzern trainierten. «Als ich einmal von Arth nach Hause kam, fragte mich meine Lehrerin, was ich dort gemacht habe», sagt Fabian. Er habe geantwortet: Geisslechlöpfe. Weil sie nicht gewusst habe, was das sei, habe er es im Gang demonstriert.

«Ich war überrascht»

Der Fleiss hat sich ausgezahlt. Die Dietiker landeten nach nur drei Monaten Übung im Mittelfeld der Rangliste. «Ich war überrascht, dass ich nicht Letzter wurde», sagt Fabian. Nach diesem Erfolgserlebnis war es Zeit, sich etwas zu gönnen. Während die Nacht einbrach und Trychler draussen die bösen Geister vertrieben, assen die vier Dietiker ein währschaftes Abendessen am urchigen Dorfplatz. Danach fuhren sie mit einem guten Gefühl nach Hause und mit einem Andenken: einem Holzstern mit der Gravur «Priis-Chlepfä 2018».

Nächstes Jahr wollen sie wieder hingehen. Bis dahin üben sie in ihrer Scheune weiter. Denn: Früh übt sich, wer ein Meister werden will. Dabei darf der Spass nicht zu kurz kommen: «Wenn wir erschöpft sind, spielen wir verstecken», sagt Fabian. «Oder ich mache einfach einen Köpfler ins Heu.»


Priis-Chlepfe in Schwyz

Sandro Steiger

Silvan Fahrni

Raul De Sousa
Fabian Gut
Das händer Super gemacht .....  bravo !!!

Zurück zum Seiteninhalt